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Made in Uri 2021

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«Mister BIP» Ronald

«Mister BIP» Ronald Indergand – «Die Wirtschaft im Blick» er. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) beispielsweise wird jeweils 60 Tage nachdem das betreffende Quartal vorbei ist, berechnet. Normalerweise reicht das, denn so schnell ändert sich die Wirtschaftslage nicht. «Doch mit Corona veränderte sich die Lage rasend schnell und gleichzeitig stieg das Informationsbedürfnis.» Gefragt waren nun Daten, die in höherer Frequenz erhoben werden, im Tages-, Wochen- oder zumindest Monatsrhythmus. Im Seco wurde reagiert. Verschiedene Indikatoren wie Kreditkartendaten, das LKW-Volumen auf der Strasse, die Anzahl Flugpassagiere, die Tonnage im Basler Hafen aber auch Luftverschmutzungsund Arbeitslosenzahlen wurden durch statistische Methoden zu einem neuen Index verdichtet: dem Index zur wöchentlichen Wirtschaftsaktivität. Seit vergangenem November wird dieser publiziert. «Und er hat der Konjunkturbeobachtung gute Dienste erwiesen», freut sich Ronald Indergand. Für die Ökonomie begann sich Ronald Indergand schon früh zu interessieren. Warum sind einige Länder arm und andere reich, fragte er sich als Schüler am Kollegi in Altdorf und begann Bücher über Ökonomie zu lesen. Nach Matura und einem Jahr als Durchdiener beim Militär folgt das Studium der Volkswirtschaftslehre in Bern. Nach dem Masterabschluss und verschiedenen Praktika begann er 2009 in einem Teilpensum im Ressort Konjunktur beim Seco und doktorierte parallel dazu an der Universität Bern. Als es ihn 2015 zu Forschungszwecken in die USA zog, Philadelphia und Berkeley, kündigte er seine Stelle beim Seco. Auch eine akademische Karriere käme für ihn infrage. Doch 92

«Mister BIP» Ronald Indergand – «Die Wirtschaft im Blick» dann wurde 2016 die Chefposition im Ressort Konjunktur im Seco frei, Ronald Indergand bewarb sich und setzte sich durch. «Das hier ist wirklich sehr nahe am Traumjob», sagt er. Die Arbeit umfasst Statistiken und Daten, die verarbeitet werden müssen, die Regelwerke dazu sind dick wie Telefonbücher und vollgestopft mit Formeln. Wie es der Gesamtwirtschaft geht, lässt sich nicht einfach ablesen wie die Temperatur am Thermometer. «Die Daten und Methoden müssen jeweils genau analysiert werden. Und wir tun das auf hohem Niveau», sagt Ronald Indergand. Und was da so kompliziert daherkomme, habe einen sehr praktischen Inhalt: «Wir beschreiben, wie es dem Land ökonomisch geht, welche Branchen gut laufen, ob die Leute einen Job haben.» Die Arbeit seines Teams diene den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung als Kompass. Besonders interessant sei sein Job jeweils in Krisensituationen. «Und die sind häufiger, als man denkt.» Finanzkrise, Eurokrise, Frankenkrise, zählt Ronald Indergand auf. Und dann Corona. Auch im Seco musste man sich anpassen. Die Homeoffice-Pflicht galt auch in der Bundesverwaltung. Und das Homeoffice befand sich bei Ronald Indergand meist im Kanton Uri, im Elternhaus in Schattdorf. Auch wenn er seit Langem in Bern arbeitet, sei er immer noch in Uri zu Hause. «Meine Velos stehen immer noch in Uri», sagt er und lacht. Das BIP und die Konjunkturprognose, sie sind also zu einem schönen Teil «made in Uri». 93