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Made in Uri 2021

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Fallschirmspringer Toni Danioth – «Ready – Set – Go!» Grosser Empfang für den Weltmeister Jeweils von Montag bis Freitag arbeitet Toni Danioth als Konditor Confiseur im Geschäft seiner Eltern in Altdorf. An den Wochenenden geht er seinem Hobby, dem Fallschirmspringen, nach. Bis zum Team Blue Magic war es ein langer Weg, der auch vor Rückschlägen nicht verschont blieb. Mit zig Absprüngen muss man sich einen soliden Grundstock «erfliegen», bevor man an Wettkämpfe überhaupt denken kann. «Wir arbeiteten und trainierten intensiv. Wir probten Formationen und nahmen an Wettkämpfen teil. Unterstützung vom Klub gab es damals keine, sämtliche Flüge und Reisen – ausser bei den Weltmeisterund Schweizermeisterschaften – finanzierten wir selber.» Mit der Zeit stellt sich der Erfolg ein. «Blue Magic», wie sich das Viererteam fortan nennt, wird dreimal Schweizermeister, Deutscher Meister (ausser Konkurrenz) und schliesslich im Dezember 1983 in Südafrika Weltmeister. Im Achterteam wird Toni Danioth dreimal Schweizermeister. «Das war eine coole Zeit. Wir waren in der Szene schon sehr bekannt, haben das damals aber nicht so wahrgenommen. Im Gegensatz zu heute lief da medienmässig nicht viel.» Im Kanton Uri jedoch wird der Erfolg von Toni Danioth und seinem Team gewürdigt. «Die Gemeinde Altdorf hat uns nach der Weltmeisterschaft einen wunderschönen Empfang bereitet. Es gab einen Umzug mit Musik, der Landamman höchstpersönlich, Vertreter der Regierung und der Gemeinderat haben uns vor dem Telldenkmal empfangen und uns gratuliert. Das war überwältigend.» Rote Rosen und eine Verwarnung «Wir waren ein eingespieltes Team und alle etwas verrückt. Einige unserer Aktionen wären heute gar nicht mehr möglich», sagt Toni Danioth und lacht. Die «Blue Magic» «turnen» vor dem Absprung auf dem Flieger herum. Sie springen ohne Sauerstoffgerät aus einer Höhe von 6200 Metern. Überbringen aus der Luft an einem Handball-Meisterschaftsspiel den Ball, Brautpaaren ein lebendiges Glückssäuli oder Champagner. Sie landen auf dem Theodulgletscher, im Gwüest in der Göscheneralp oder bei einem Festival im Letzigrund-Stadion. Sie springen nur mit dem Fallschirm bekleidet oder in der Nacht und sind Attraktion beim Zürcher Seenachtsfest, wo sie vor viel Publikum im See landen. Einem Hotelier in Flüelen, der seinen 50. Geburtstag feiert, überbringen sie 50 rote Rosen. Dafür wird – dank Polizeihilfe – sogar 24

Fallschirmspringer Toni Danioth – «Ready – Set – Go!» die Hauptstrasse in Flüelen kurzzeitig gesperrt. «Danach gab es aber eine Verwarnung vom Bundesamt für Zivilluftfahrt wegen ‹Behinderung einer internationalen Transitachse›». «Wir haben unseren Traum gelebt» 1994 – nach zirka 3200 Sprüngen – hängt Toni Danioth sein «Blue-Magic-Kombi» und den Fallschirm «an den Nagel». «Familie, Geschäft und Hobby unter einen Hut zu bringen, war nicht mehr möglich», sagt er. Der Kontakt zu seinen Kollegen besteht noch immer. Sie treffen sich regelmässig und schauen sich ab und zu die alten Videos oder die Fotos von damals an. «Wir haben unseren Traum gelebt. Es sind unbezahlbare Erlebnisse. Diese fantastische Zeit war für mich eine Lebensschule, die mir viel Durchhaltewille, Kraft und Ausdauer für mein Leben gab.» Das Fallschirmspringen habe ihn auch gelehrt: Was uns gross und wichtig erscheint, wird plötzlich nichtig und klein. Genau so, wie es Reinhard Mey in seinem Lied «Über den Wolken» besingt. Fotos und Videos vom Team Blue Magic gibt es unter www.bluemagic.ch. 25