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Made in Uri 2020

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WARUM SUMMEN IN URI

WARUM SUMMEN IN URI LUZERNER BIENEN HERUM? Witenwasserental, Realp, 2000 Meter über Meer. Die frische, kühle Luft hier auf Oberchäseren tut gut an diesem sonst schwülen 1. Juli. Eine der umstehenden Kühe scheint sich sehr für uns zu interessieren, insbesondere für die Kamera, die wir dabei haben. Doch die Kühe sind nicht die einzigen Tiere, welche auf dieser Wiese voller Alpenrosen anzutreffen sind. In einer flachen Senke stehen einige grüne Bienenkästen aus Styropor. «Die sind leichter als die üblichen Kästen aus Holz», erklärt der Berufsimker Bruno Kaufmann, welcher seine Bienen seit nunmehr 33 Jahren in die Urner Berge zur Sömmerung bringt. Die Kaufmann Bienen GmbH ist nämlich eine sogenannte Wanderimkerei, was bedeutet, dass die Bienenvölker (ähnlich wie Kühe) im Sommer teilweise über mehrere Stufen in die Höhe verlegt werden. Mehr als ein Frühling «Sobald im Luzerner Mittelland gegen Ende Mai das Gras gemäht wird und die Obstbäume verblühen, wird die Nahrung der Bienen knapp. In den Urner Bergen aber erleben sie den zweiten und dritten Frühling», erklärt Rita Friedrich. Seit sie 78 in Rente ist, hilft sie Bruno Kaufmann in der Imkerei – ein absoluter Fulltime- Job in der aktuellen Hochsaison. Dafür gehören Rita Friedrich 20 der rund 200 Wirtschaftsvölker, welche sie und Bruno Kaufmann im Sommer ins Urserental und auf den Urnerboden bringen. «Der Kanton Uri ist vom Anfahrtsweg her einfach praktisch», begründet Rita Friedrich die Standortwahl.

Ein bevorstehendes Gewitter spiegelt sich auch im Verhalten der Bienen wider (oben links). Hier werden Blumen in flüssiger Form geerntet (rechts). Jungköniginnen müssen frühzeitig aus dem Bienenkasten entfernt werden, damit nicht ein Grossteil der Bienen mit ihrer Königin ausschwärmt (unten links). Rauch zur Beruhigung Wir scheinen nicht besonders willkommen zu sein, als Bruno Kaufmann einen der Bienenkästen auf Oberchäseren öffnet. «Das ist ungewöhnlich, denn wir züchten eigentlich besonders sanftmütige Bienen», sagt der Imker, dessen Betrieb neben den rund 200 Wirtschaftsvölkern auch ebenso viele Jungvölker umfasst. Dass die Tiere nervös sind, hat natürlich einen Grund; über den Berggipfeln ziehen Gewitterwolken heran, und wie alle Tiere spüren die Bienen, wenn das Wetter umschlägt. Beruhigen kann man sie mit Rauch, welcher so dem Imker die Arbeit am Bienenvolk erleichtert. Instinktiv bereiten sich die Bienen auf die Flucht vor und fressen sich voll, um genug Energie dafür zu haben. Dadurch werden sie abgelenkt und somit ruhiger. Bruno Kaufmanns Rauch allerdings stammt aus der grossen Zigarre, welche er sich vor dem Öffnen eines Bienenkastens jeweils ansteckt. Blumensträusse im Glas Wir fahren hinunter nach Zumdorf, wo einige weitere Bienenvölker platziert sind. Hier ist von den Gewitterwolken noch nichts zu sehen, und die Tiere sind merklich ruhiger. Weil Zumdorf tiefer liegt als das Witenwasserental, wachsen hier andere Blumen. «Deshalb unterscheidet sich auch der Honig aus den jeweiligen Standorten im Geschmack. Denn verschiedene Blüten sorgen für mehr Aromen», so Bruno Kaufmann. «Honig sind Blumen in flüssiger Form. Deshalb verschenke ich schon lange keine Blumensträusse mehr», ergänzt Rita Friedrich lachend. So wie sie, sehen das auch diverse Firmen, welche bei Bruno Kaufmann den zertifizierten Urner Alphonig mit jeweils eigenem Etikett und Logo beziehen. Des Weiteren ist er bei der Metzgerei Muheim in Andermatt erhältlich, bei der Alpkäserei Urnerboden oder in der Alpbeiz Steigärtli am Klausenpass. Ab August verkauft das Imker-Duo sein Produkt zudem einmal wöchentlich direkt auf dem Urnerboden. 79 Ein selten beobachtetes Schauspiel Zum Schluss besuchen wir einen dritten der sogenannten Wanderplätze in der Chämleten, oberhalb von Hospental. «Hier gibt es ein Problem!», stellt Bruno Kaufmann sofort fest, denn eines der Bienenvölker scheint in Kürze ausschwärmen zu wollen. Im Bienenkasten findet Bruno Kaufmann mehrere Zellen, in denen Jungköniginnen heranwachsen. Schlüpfen sie im Kasten, bekämpfen sie sich gegenseitig, bis nur noch eine von ihnen übrig bleibt. Die alte Königin hingegen schwärmt mit einem Grossteil der Bienen aus, welche in den Bergen zwangsläufig zugrunde gehen. Aus diesem Grund entfernt Bruno Kaufmann die Königinnenzellen, wodurch die Jungköniginnen jedoch keinen Schaden nehmen. Prompt haben wir dabei das unerhörte Glück, zu beobachten, wie aus gleich zwei der Zellen jeweils eine Bienenkönigin schlüpft. Bruno Kaufmann versichert uns: «So was werdet ihr im Leben nie mehr sehen!» kaufmann-bienen GmbH Wander-Imkerei Zopfenberg 16 6214 Schenkon 079 325 30 41 brunokaufmann62@hotmail.com www.kaufmann-bienen.ch